Walter Sommer - Hausnachrichten Nr. 108
März 1974

Das Entwicklungsgesetz der Kulturvölker
Germanien - Deutschland (Fortsetzung)

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(...) Es wurde in der Nr. 107 dieser Schriftenreihe gezeigt, wie König Karl in seinem Bemühen, das Gottesreich auf Erden aufzurichten, glaubte dieses Vorhaben kraft seiner Schwertgewalt durchführen zu können. In diesem Vorhaben wurde er durch die während und nach der Völkerwanderung als Ordnungsmacht wirkenden Priester und Mönche, besonders durch Bischof Sturmius, angeregt und immer wieder ermuntert. Wenn es dem König gelang, z. B. die im heutigen bayrischen Frankenland beheimateten Thüringer durch Schwertgewalt seinem Gottesreich einzufügen, den Bayernherzog durch List in ein Kloster abzuschieben, in Norditalien seine Herrschaft aufzurichten und es seinem Sohn Karl gelang, die immer wieder von Osten her in sein Reich eindringenden Avaren zu überwinden und ihren Goldschatz nach Aachen zu überführen, so war ihm doch die Lebensgrundlage aller germanischen Völkerschaften völlig fremd. König Karl und seine Vorfahren waren groß geworden in dem nur mit Schwertgewalt aufrecht zu erhaltendem Eigentumsrecht am Boden einzelner, während Germaniens Lebensgrundlage das Gottesrecht der freien Bodennutzung war. In der Genesis standen sich diese grundverschiedenen Lebensauffassungen in der Gestalt des Ackerbauern "Kain", zu deutsch "Eigentümer", und der freies Bodennutzungsrecht fordernde "Abel", zu deutsch "der Verschwindende", gegenüber. Und als der Hirte sein Vieh in den Acker des Kain trieb, da kam es zum Streit und der sein angemaßtes Eigentum am Boden verteidigende Kain schlug seinen Bruder Abel tot. Hier standen sich König Karl mit Schwertgewalt als Vertreter des orientalisch-römischen Bodenbesitzrechtes und die Niedersachsen und Friesen als Verteidiger des germanischen Gottesrechtes der freien Bodennutzung unversöhnlich gegenüber. In dreißigjährigen Kriegszügen gegen die ihr Gottesrecht der freien Bodennutzung verteidigenden und sich immer wieder gegen die Schwertgewalt des Königs aufbegehrenden Niedersachsen wurde dem alternden König das Blutvergießen zur Gewissensqual und so beschloß er die Reste des Niedersachsenvolkes und ihren Anhang umzusiedeln. In Todesmärschen wurde die zusammengetriebene Bevölkerung über das Konzentrationslager bei Mainz nach Südwestfrankreich umgesiedelt und dort in der durch den Raubbau der Römer fast unfruchtbar gewordenen Landschaft ihrem Schicksal überlassen.

Die umgesiedelten Niedersachsen breiteten sich in dieser ihrer neuen Zwangsheimat aus und verwandelten die Landschaften der Languedoc, der Provence und der Gascogne in blühende Landschaften mit gepflegten Gärten und wohlbestellten Äckern. Hier hatten während der Völkerwanderung ein gotischer Heerbann gesiedelt und die Ortschaften Beziers, Carcasonne und andere gegründet. Diese zwei germanischen Völkerschaften, die ostgermanischen Goten und das ausgesiedelte Niedersachsenvolk haben hier ihren germanischen Volkscharakter voll entfalten können. Diese Landschaft am Abhang der Pyrenäen unterstand vor den Zeiten der Römerherrschaft dem Einfluß der Hüter des heiligen Grals auf der Burg "Montsegur", zu deutsch "Sicherer Berg". Worin das Gralsgeheimnis wirklich bestand, wissen wir nicht. Wir können es nur vermuten. Wahrscheinlich waren es wie in Jerusalem germanische Schriften in Runenzeichen, die Aufschluß geben könnten über die wirklichen Lebensgrundlagen unserer germanischen Vorfahren, die uns von den Priestern und Mönchen so sehr verteufelt worden sind.

Die Gralsritter kannten, wie anzunehmen ist, die Lehren Jesu über gesunde Ernährung durch Naturkost und seine Lehre und Erkenntnis vom liebenden Vater-Mutter im Himmel, Schöpfer und Erhalter seiner Schöpfung und des Lebens darauf, dessen Wille der Welten Gesetz ist. So wurde der Gedanke und die Lehre Jesu vom liebenden Vater-Mutter im Himmel von neuem lebendig. Es entstand eine Glaubensgemeinschaft sich gottweihender Menschen, die sich mutig den Lehren der Priester und Mönche vom rächenden Gott mit Fegefeuer und Höllenqualen entgegenstellten. Diese christlichen Brudergemeinschaften nannten sich "Katharer", zu deutsch die "Reinen". Sie lehrten und sangen das Lied von der Liebe Gottes. Ihre Gemeinschaft ist auch bekannt als die "Minnekirche" (Liebeskirche). Nicht die körperliche Liebe lehrten sie, sondern die sich in der Liebe zum Nächsten aufopfernde Tat, durch die sich der Glaube bestätigen muß. Diese Gemeinschaft der Katharer in Südwestfrankreich sandte Sendboten aus, ihre Lehren zu verbreiten und bekanntzumachen.

Diese Sendboten, "Gutmänner" genannt, zogen jeweils zu zweit von Ort zu Ort, von Burg zu Burg, lehrend und ihre Botschaft verkündigend. Sie sangen und verkündeten das Lied von der Liebe Gottes. Sie waren die eigentlichen Minnesänger. Ihre Lehren wurden von der Intelligenz des Volkes in Stadt und Land und den führenden Männern Frankreichs verstanden und nach Möglichkeit durchgeführt. Sie wurden später nach ihrer versuchten Ausrottung in der blutigen Bartholomäus-Nacht, der sogenannten Bluthochzeit des Dauphin, als die Hugenotten bekannt. Viele Nachkommen der Hugenotten sind noch heute Vegetarier. Was wollten denn diese Katharer, diese sich selbst "die Reinen" Nennenden? Vielleicht gibt dem Leser die Verpflichtung bei der Aufnahme eines neuen Bruders in den engeren Kreis der Bruderschaft Aufschluß darüber. Sie lautete: "Ich verspreche, sagte der Knieende, mich Gott und seinem Evangelium zu weihen, nie zu lügen, nie zu schwören, kein Tier zu töten, kein Fleisch zu essen und nur von Früchten und Gemüsen zu leben. Ich verspreche weiterhin, nie ohne einen Mitbruder zu reisen, zu wohnen oder zu essen und, falls ich in die Hände unserer Feinde falle oder von meinem Bruder getrennt bin, mich drei Tage lang jeder Nahrung zu enthalten. Und dann verspreche ich noch, nie meinen Glauben zu verraten, welches auch immer der mir angedrohte Tod sei."

Diese Katharer prangerten die Herrschsucht der Priester und Mönche mit ihrer angsteinflößenden Lehre vom Fegefeuer und Höllenqualen an und die Pracht und Eitelkeit in ihrer Tracht und Prachtentfaltung, die denen der weltlichen Fürsten nicht nachstand. Sie lehnten das heuchlerische Gebahren der Mönche ab. Sie verwiesen auf die Einfachheit im Leben Jesu und seiner Jünger und Apostel und lehnten das alte Testament mit Ausnahme der Psalmen ab. Sie bewiesen die Wahrheit ihrer Lehren nur durch das neue Testament und die Lehren Jesu. Dadurch zogen sie sich begreiflicher Weise die Feindschaft der Priester und Mönche zu.

Über die Anfänge dieser Bruderschaft der Katharer, der Reinen, wissen wir so gut wie nichts, da die christlichen Priester und Mönche auf Gebot des französischen Papstes in Avignon alle Schriften der Katharer vernichteten. Wir wissen aber, daß Jesus zur Zeit der höchsten Pracht und Machtentfaltung im römischen Reich zur Zeit des Kaisers Augustus fernab von Rom geboren wurde. "Seth, der Ersatz für den von Kain erschlagenen Abel", schuf hier den Beginn einer geistig-sittlichen Erneuerung, die letztlich nach der Flut des dreißigjährigen Krieges das Volk der Denker und Dichter und Tonschöpfer aus den von der Kirche verteufelten germanischen Barbaren hervorbrechen sah. Aber verfolgen wir kurz die tatsächlichen Ereignisse. Die im folgenden angedeuteten Ereignisse mögen in dem Buch von Otto Rahn "Der Kreuzzug gegen den Gral" nachgelesen werden.

Wir sehen, wie die Katharer zu zweit auf den Märkten und Straßen die neue Lehre von der Liebe Gottes verkünden. Sie fanden großen Zulauf und bald war ein großer Teil von der neuen Lehre ergriffen. (...) So war die ganze Landschaft von den Gestaden des Mittelmeeres über die Languedoc, der Grafschaft Toulouse den Lehren der Katharer gefolgt und Toulouse unter der Herrschaft des Grafen Raimond V. war gewissermaßen die Hochburg dieser Bewegung geworden. Aber die Priester und Mönche verdammten diese neue Lehre als aufsässige Häresie, trotzdem der Bischof von Albi und viele Priester ihr freundlich gegenüberstanden. So übernahmen denn die Zisterzienser-Mönche die Aufgabe, diese Häresie, diese Irrlehre und Sektiererei auszumerzen und die Katharer wieder in den Schoß der Kirche zurückzuführen. Aber alle Versuche mißlangen den Mönchen. Statt Bekehrung ernteten sie nur Spott und Hohn. Die Katharer bewiesen, daß im Neuen Testament keine einzige Stelle zu finden sei, die von den Priestern verlange, üppiger als die Fürsten zu leben, kostbare Kleidung, Schmuck und Edelsteine zu tragen und in den Kirchen zur Schau zu stellen. So scheiterten alle Versuche. Selbst Bannbulle und Exkommunikation gegen die führenden Persönlichkeiten fruchteten nicht und die päpstlichen Legate vermochten nichts auszurichten. So entschloß sich Papst Innozenz III. die ganze Strenge der Kirche aufzubieten. Er übergab dem Erzabt Arnold von Citeaux, dem Haupt des machtvollen Zisterzienser-Ordens, ein finsterer unversöhnlicher Mann, die Führung zur Ausmerzung der Häresien mitsamt der Bruderschaft der Katharer. So durchzog denn der Erzabt Arnold mit einigen Mönchen und den päpstlichen Legaten auf prachtvollen Zeltern und einem Heer von Dienern die Landschaft. Die Bevölkerung aber begegnete ihnen mit Rufen wie: "Seht diese Leute wollen uns von unserem Herrn Jesus Christus lehren, der arm war und barfuß ging!" und gingen davon. Dann gab man dem Erzabt den Rat, den Pomp aufzugeben und barfüßig wie die Apostel unter das Volk zu gehen, doch auch damit war ihnen jeglicher Erfolg versagt. Da wurde der dem Erzabt beigegebene Gesandte und Legat von Gottes Statthalter in Avignon ermordet. Die Kirche wird seinen Tod zu rächen wissen. Raimon VI. Graf von Toulouse wird exkommuniziert, seine Besitzungen mit dem Interdict belegt und seine Vasallen vom Lehnseid entbunden.

Dann ruft der Papst die ganze Christenheit zu den Waffen gegen die Irrlehren der Katharer-Ketzer. Es wird zum Kreuzzug gegen die Albigenser aufgerufen, wie dieser Kreuzzug in den Geschichtsaufzeichnungen genannt wurde. Es wird den Kämpfern gegen die Ketzer der gleiche Ablaß versprochen wie den Kreuzzüglern gegen Palästina. Ablaß von den Sünden und seien sie noch so schwer und Befreiung von den Höllenqualen. Arnold, Erzabt von Ziteaux, ruft das Kreuzfahrerheer in Lyon zusammen

Am 24. Juni 1209 verläßt der Kreuzzug Lyon und zieht gegen Romanien, das noch nicht dem Frankreich zugehörte: Zwanzigtausend Ritter mit ihrem Fußvolk, zweihunderttausend Städter und Bauern, den Klerus und das Bürgertum nicht mitgerechnet. Aber welch ein Wirrwarr in dieser Armee Jesu Christi: Voran der unerbittliche Erzabt von Ziteaux. Ihm folgt das singende Heer der Erzbischöfe, Bischöfe, Äbte, Priester und Mönche, ihnen zur Seite die weltlichen Fürsten in ihren gleißenden Rüstungen, dann die Raubritter mit ihren verwahrlosten Rüstungen, dann die Städter und Bauern und zuletzt zu tausenden und abertausenden das lichtscheue Gesindel Europas, denen in Venustempeln auf vier Rädern die Dirnen aus aller Herren Länder folgen.

Aber eins müssen wir uns merken: Der Albigenser Kreuzzug trägt trotz seiner religiösen Beweggründe, trotzdem er von der Kirche vom Zaun gebrochen wurde, in erster Linie den Charakter eines Krieges zwischen Nord- und Südfrankreich (Romanien). Die Nordfranzosen brennen darauf, die von Chlodwig begonnene Eroberung zu vollenden und die Südfranzosen, Katholiken wie Ketzer sind fest entschlossen, dem Einfall Widerstand zu leisten. In diesen vom Mischvolk der römischen Besatzung und den Galliern und Kelten bewohnten Gebieten waren verstärkt von den schon erwähnten ostgermanischen Goten und den von König Karl ausgesiedelten Niedersachsen. Diese letzteren hatten durch die Belehrung der Gralsritter auf dem Montsegur die wirkliche Lehre Jesu mit einer Ernährung ohne Tiermord nur von Gemüsen, Früchten und Nüssen und dem Gebot der Liebe zum Nächsten in der Bewegung der Katharer zu neuem Leben erweckt. (...)

Nun begann eine Christenverfolgung, die der im römischen Reich angezettelten in nichts nachstand an Unbarmherzigkeit, Greueln und Verfolgungswahn. Laßt uns alle Einzelheiten verschweigen, sie sind teils zu grausam. Nur der Anfang sei erwähnt. Der Kreuzzug wälzte sich von Lyon aus gegen das südfranzösische Romanien. Er erreichte zuerst den Ort Beziers, das dem Vicomte von Carcossonne unterstand. Die Stadt wird belagert. Ihr Bischof, ein greiser Priester, begehrt Einlaß, um die Bevölkerung zur Übergabe zu bewegen. Er fordert sie auf, angesichts des Kreuzzuges, die Kathari-Ketzer herauszugeben. Antwort: "Unsere Brüder verraten? Lieber wollen wir im Meer ertränkt werden." Die Antwort erregt den Zorn des Erzabtes.
Am Abend kommt der Kreuzzug in Sicht vor der Stadt. Die beutehungrigen Abenteurer berennen die Stadt, die Ritter folgen. Die Tore geben nach. Die entsetzte Bevölkerung flieht in die Kirchen, wo die Priester die Messe halten. Ein Ritter fragt den Erzabt, wie man denn die Ketzer herausfinden soll. Der Erzabt soll geantwortet haben: "Tötet sie alle, der Herrgott wird die Seinen schon herausfinden." So wird die Bevölkerung gemordet, auch die amtierenden Priester. Die Abenteurer brandschatzen die Stadt. Die Stadt geht in Flammen auf. Ist hier die Gier und die Wut der Wüstenwanderer unter Führung Josuas vor Jericho zu neuem Leben erwacht?

Der Kreuzzug wälzt sich weiter. Wenn auch solche Greuel wie in Beziers nicht wieder vollzogen wurden, so wurden doch 20 Jahre lang vom König und von Priestern und Mönchen immer neue Kreuzzüge gegen die Albigenser, wie er kirchengeschichtlich genannt wird, ausgerufen. 20 Jahre lang wütet der Kreuzzug gegen das dem König widerstehende südfranzösische Romanien. Bis dann, um weitere Verwüstungen und Blutvergießen zu vermeiden, der Graf von Toulouse und der von Foix sich ergeben und die Oberherrschaft des Königs anerkennen. Da hatte der König im Louvre gesiegt. Die Ritterschaft wurde zurückgerufen.

Aber die Priester und Mönche gaben den Kampf gegen die Katharer-Ketzer nicht auf: Die Gralsburg auf dem steil aufragenden Felsennest des Montsegur haben sie trotz mehrfacher Versuche nicht bezwingen können.
Während dieser Zeit hielten sich die Katharer in den Sebarthes-Schluchten und in Höhlen der Pyrenäenabhänge verborgen, die sie teilweise zu Festungen ausgebaut hatten. Wohl mischten sich Katharer unter das gequälte Volk, um Trost zu spenden und in der Lehre zu bestärken. Wurde ein solcher Katharer ergriffen oder auch nur als solcher verdächtigt, dann wurde er von der inzwischen ins Leben gerufenen Inquisition ins Kreuzverhör genommen, um ihn zum Geständnis zu bringen. Verlief das Verhör ergebnislos, dann übergab man ihn dem hochnotpeinlichen Foltergericht und das Ende war der Scheiterhaufen. Diese Tortur wurde neu erfunden, um den "Protestanten" einen Vorgeschmack von Fegefeuer und Höllenqualen zur Abschreckung vorzuführen. Nicht nur Einzelpersonen wurden als Ketzer verdächtigt und dem Inquisitionsgericht überantwortet. Ganze Landschaften wurden so gequält und verdächtigt. So zog 1242 ein Inquisitorengericht in den Ort Avignonet ein. Die verängstigte Einwohnerschaft schickte Boten auf den Montsegur und bat um Hilfe. 12 Ritter eilten herbei, denen sich 20 beherzte Männer und ein Gehilfe der Inquisitoren hinzugesellten. Diese brachen in die Halle des Schlosses ein, in der die Inquisitoren Quartier genommen hatten und ermordeten alle.

Dieser Mord wurde zum Anlaß, um einen neuen Kreuzzug gegen das Ketzernest auf dem Montsegur auszurufen. 1243 begann die Belagerung. Ein Jahr später wurde den Belagerern von einem Hirten unter Druck ein geheimer unübersichtlicher Pfad verraten. So kamen die Belagerer bei Nacht auf die Burg, überwältigten die Wächter und drangen in die Burg ein. Die gefangenen Ritter wurden in den Burgverließen von Carcassone eingemauert. Die übrigen ins Tal gebracht und auf einem Acker auf großen Scheiterhaufen verbrannt. Dieser Acker heißt noch heute der Scheiterhaufenacker. Die Burg wurde zerstört und alle Schriften und Hinterlassenschaften verbrannt und vernichtet. Aber in derselben Nacht waren zwei Katharer mit den Insignien und den wertvollsten Schriften durch den Belagerungsring entkommen. Sie wurden in die Verstecke der Katharer in den Höhlen der Pyrenäen versteckt und sind noch nicht wieder aufgefunden worden.
Das war das Ende der katharischen Brüderschaft der Reinen und das "Golgatha" germanischen Geistes. Doch die Lehre und der Geist dieser protestantischen Bewegung ging nicht unter. Durch die Sendboten der "Gutmänner" war die Lehre von der Liebe Gottes und die Verkünder der Liebeskirche schon in ganz Europa und im Reich verbreitet. Die Verfolgung und versuchte Ausrottung der Katharer und ihrer Anhänger ist nur zu vergleichen mit den Christenverfolgungen im römischen Reich, der die ersten Christengemeinschaften zum Opfer fielen. Auch dort galten die Grundsätze den Nächsten zu lieben, nie zu schwören, nie zu lügen, kein Tier zu töten, kein Fleisch zu essen und sich nur von Kräutern, Gemüsen und Früchten zu ernähren. (...)

Die Lehre war nicht tot, sondern wirkte fortan in den sogenannten Ketzern und in der jetzt neu auflebenden Organisation der altgermanischen Volksmutter, ähnlich den heutigen verschiedenen Schwesternschaften und Gemeindehelferinnen, den "Hagedisen", die als Hexen verteufelt wurden. Und nun setzt in ganz Europa die Verfolgung der Ketzer und Hexen mit Folterkammern und Scheiterhaufen ein und versetzt Jahrhunderte lang die Bevölkerung in Angst und Schrecken. Aber die Verfolgung kann nicht viel ausrichten, da drei Päpste, drei Stellvertreter, die Christenheit und den Kampf gegen die Ketzer überwachen. Der italienische Papst saß in Ravenna, der französische in Avignon und in Spanien wurde die Kirche beherrscht vom König. In Deutschland aber regierte der Kardinal-Erzbischof von Straßburg. So war die Organisation der Kirche nicht einheitlich und die Ketzerverfolgung nicht wirksam in den Augen der Priester und Mönche. So wurde denn ein Konzil nach Konstanz am Bodensee einberufen. Dieses Konzil war mit einem Reichstag verbunden, denn nicht nur waren die drei Papstanwärter mit ihrem Gefolge und den Würdenträgern der Kirche, sondern auch die kaiserliche Majestät und die weltlichen Fürsten anwesend. Doch ehe wir diese kirchlichen Vorhaben weiter verfolgen, müssen wir uns erst einen Einblick in die damaligen Zustände im Volksleben hineinversetzen.

Durch die wandernden "Gutmänner" katharischer Ordnung, die nun die Kunde vom Untergang des Grals verkündeten, bildeten sich überall neben oder außerhalb der Kirchen Brüdergemeinschaften, die im Sinne der Liebeskirche, die Lehre von der Liebe Gottes und seiner Gnade lehrten. Leider war die Achtung und die Ehrfurcht vor der lebenden Tierwelt abhanden gekommen, das noch im vorchristlichen Germanien und bei den Katharern die Grundlage der Ernährung von pflanzlicher Rohnahrung war. Die Reste dieser Brüdergemeinschaften finden wir noch heute in Süddeutschland in den dort üblichen Brüdergemeinden, deren Nachkommen in Amerika in Pennsylvenien noch heute als "die pennsylvenian Dutch" bekannt sind. Diese Gemeinschaften sind heute in der Philadelphia-Gemeinschaft zusammengeschlossen. Zu dieser aus nach England geflohenen süddeutschen Brüdern gehören auch die als Quäker bekannten Glaubensgemeinschaften. Die aus Ostfriesland stammenden Mennoniten sind die einzigen, die der pflanzlichen Ernährung treu geblieben sind. Aber besonders Eifrige suchten der Verfolgung zu entgehen und begaben sich in einsame Gegenden, um in der Einsamkeit zu überlegen, wie man der Qual abhelfen könnte. Der bekannteste dieser Einsiedler ist Franziskus von Assisi, dessen Lehren und Predigten uns teilweise noch erhalten sind, trotzdem die Kirchenleute seine Lehren in den Orden der Franziskaner umzufunktionieren wußten. (...)

In der Folge wurden auch gelehrte Theologen auf diese Lehre aufmerksam. So wurde in Schottland der Bischof Knox von der Lehre ergriffen. Er wurde der Begründer der Presbyterian Church, die sich bald in England neben der katholischen Kirche durchsetzte. In Böhmen bildete sich eine Gemeinschaft, deren späterer Führer Hus auf dem Scheiterhaufen zu Konstanz endete. In der Schweiz wirkten die Nachfahren der Lehren der Waldenser, die denen der Katharer ähnlich war. Mit anderen Worten, die damaligen Gelehrten begannen sich mit der Lehre zu beschäftigen. Sie waren in der deutschen Geschichte die "Methusala" in der Liste der Stammväter, zu deutsch "die Erleuchteten, die Wissenschaftler", die die Bibel und seine Lehren zu begreifen suchen. In Deutschland waren es vor allem die Augustiner Mönche, deren Aufgabe es war, den Inhalt der Bibel zu erforschen und auszulegen.

In dieser Zeit herrschte in Deutschland das Feudalsystem der Landbarone und Großgrundbesitzer. Die Landbevölkerung war von der Bodennutzung so gut wie ausgeschlossen. Leibeigenschaft und Hörigkeit war ihr Schicksal. Selbst der kleinste Pachtbauer mußte der Herrschaft Hof- und Spanndienste leisten. Ihr Leben war nicht viel besser als das Sklaventum in der Antike, denn auch damals mußten die Menschen ernährt und gekleidet werden, damit sie arbeiten konnten. Und mehr hatten die Landarbeiter und die Arbeiter in den Ortschaften wirklich nicht. Aber damals wurden sie zu dem noch gequält mit der Angst vor Folter und Scheiterhaufen bei der geringsten Verdächtigung. Seelisch wurden sie geknechtet durch die Lehren vom Fegefeuer und Höllenqualen, denn die Tyrannei der Knechtschaft in Glaubensdingen ist die Schlimmste von allen. In den Städten war es nicht viel anders, denn der Arbeiter war nicht geachtet, nur die Handwerker und Gewerbetreibenden wußten sich aus dem Zwang der Grundherren zu befreien. Doch diese schwangen sich auf zu Patriziern und Senatoren und begannen so das Schicksal der Städter zu beherrschen neben den Kirchengewaltigen, die jeden Menschen mit Exkommunion, Bannbulle usw. belegten und ihm bei Verdacht zur Folter und zum Scheiterhaufen verdammen konnten. Nur wenige Grundherren, reich gewordene Städter und Kirchenfürsten, kannten ein freies Leben mit freier Entscheidung, alle anderen waren körperlich oder geistig geknechtet. Das war die gute alte Zeit des Mittelalters.

In diese Zeit fiel das Konzil zu Konstanz. Lange stritten sich die drei Papstanwärter um die Vorherrschaft, aber die Bedrängung durch die Ketzerbewegung zwang zur einhelligen Entscheidung. Schließlich einigte man sich für den Sitz des von jetzt an international herrschenden Papsttum in der Stadt Rom. Rom aber war zu der Zeit eine unbewohnbare Trümmerstadt. Die Vorherrschaft beanspruchenden byzantinisch-oströmischen Kaiser hatten im sechsten und siebten Jahrhundert die Stadt Rom immer wieder mit Krieg überzogen und geplündert. Alle Kostbarkeiten der Tempel und Paläste mit ihren teils goldenen Dächern waren nach Byzanz (Konstantinopel) verschleppt. Die Bevölkerung aber war nach Wegzug der Patrizier, Senatoren und Begüterten abgewandert, um nicht zu verhungern. In Rom hausten zur Zeit dieses Konzils nur verwilderte Hunde und Wildtiere aller Art. Nur einige wenige Hirtenfamilien fristeten dort ein kümmerliches aber freies Leben. So wurde denn schon vor dem Konzil nach vorheriger Vereinbarung auf den Trümmern Roms die Vatikanstadt erbaut für den späteren Herrschersitz des Papstes. Erst später siedelten sich Handwerker und Gewerbetreibende an und allmählich entstand auf den Trümmern des alten Roms das Neue. Als erster alle Völker Europas und später die der ganzen Welt beherrschende Papst als Stellvertreter war ein Medizi aus einer der reichsten Familien aus Florenz eingesetzt. Die erste Großtat in der Ketzerbekämpfung auf dem Konzil war der Tod des Vertreters der böhmischen Gemeinschaften, Johannes Hus mit Namen, auf dem Scheiterhaufen. Während sich im Süden Frankreichs die protestantischen Lehren der Katharer und Waldenser durchgesetzt hatten und von Priestern und Mönchen mit Waffengewalt unterdrückt wurden, war in Osteuropa ein anderer furchtbarer Schicksalsschlag hereingebrochen: Der Mongolensturm unter Tschingis-Kan und seinem Sohn Tamarlan fegte über die Steppenlandschaften Ostgermaniens. Diese Mongolen richteten verheerende Schäden in den Fluren und unter der Bevölkerung an. Ganze Landstriche wurden fast menschenleer. Nur die galizischen und karpatischen Gebirgsformationen verhinderten ein Vordringen dieser Reiterscharen nach Westeuropa.

Ist es da ein Wunder, wenn die freiheitlich denkende Jungmannschaft in Deutschland versuchte, der fürstlichen und kirchlichen Gewaltherrschaft zu entgehen unter dem Ruf: Nach Ostland wollen wir reiten? So wurde denn die Bevölkerung des Ostlandes bis weit über Polen hinein von deutschen Jungmannschaften ergänzt und teilweise neu besiedelt. Mit der bodenständigen Bevölkerung im Ostland konnten sich diese deutschen Jungmannschaften ohne weiteres verständigen, denn die Pommern, Preußen, Polen usw. waren ja Germanen, die zu der Zeit die germanischen Dialekte des Flachlandes ähnlich den niederdeutschen Dialekten sprachen. Erst im abklingenden 14. und 15. Jahrhundert setzten die ersten Versuche ein, die ostgermanische Bevölkerung zu christianisieren durch die griechisch-orthodoxe und die katholische Kirche.
Nach dem Prinzip "teile und herrsche" wurde die Trennung der Ostgermanen von den westlichen Stammlanden durch die gleichzeitige Einführung der kyrillischen Schrift- und Kunstsprache eingeführt. Die Trennung glückte und im Osten entstanden durch den Einfluß der Klosterschulen und der kirchlichen Christianisierung so nach und nach aus den Ostgermanen die sogenannten slawischen Völkerschaften. (...)

In diese Zeit der erst von jetzt an als Romkirche mit Kardinalskollegium und dem Papst als Stellvertreter Gottes auf Erden beginnt der Bau des Petersdomes mit seinen Kapellen. Dazu und zur künstlerischen Ausschmückung braucht die Kirche Geld, viel Geld, denn Michelangelo mit seinen Mitarbeitern kann auch nicht umsonst arbeiten. So beginnt denn der Ablaßhandel unter Führung von Tetzel. Dagegen lehnt sich mit vielen anderen der schriftkundige Augustiner-Mönch Martin Luther auf. Er hat den Mut, in seinen Thesen an der Schloßkirche zu Wittenberg den Ablaßhandel und damit die Kirche anzuprangern und den damit getriebenen Schwindel aufzudecken. Da inzwischen auch die Buchdruckerkunst erfunden ist, so können seine Thesen und die dazugehörigen schriftlichen Erläuterungen schnell verbreitet werden. Das ganze Volk wird ergriffen von der freiheitlichen Lehre der Evangeliumverkündung und der darin enthaltenen Lehre von der Gnade und der Liebe Gottes im Gegensatz zur Tyrannei der Kirche, die seit der Errichtung des Vatikans erst als Romkirche bezeichnet werden kann.

Durch die Predigt von der Freiheit des Christenmenschen im Gegensatz zur Tyrannei der Romkirche erwachte im Herzen des deutschen Landvolkes der Gedanke des urgermanischen Gottesrechtes der freien Bodennutzung, das dem Volk durch die Herrschaft der feudalen Landesherren auf ihren Burgen und Schlössern genommen und deren Herrschaft mit Gewalt aufrechterhalten worden war. Das in Knechtschaft gehaltene Landvolk protestierte gegen die immer umfangreicher gewordene Landnahme durch Klostergründungen und Kirchengüter. Die Empörung steigerte sich zu Gewaltsausbrüchen gegen die Unterdrückung und die Knechtschaft der Leibeigenen, Hörigen und Pachtbauern. Es kam zu den Bauernkriegen. Aber was konnten die Bauernbündler gegen die gut gerüsteten Mannen der Ritterheere wohl ausrichten? Die Bauernheere handelten nicht nur aus Eigennutz, sondern im deutschen Volk war mit dem Lesen der Bibel durch die Ubersetzung durch Luther der Inhalt der Bibel besonders bekannt geworden unter den Anhängern der katharischen Gemeinschaftsbewegungen. Diese Brüdergemeinschaften waren die eigentlichen Träger dieser freiheitlichen Bestrebungen der Landbevölkerung. Nach der Niederschlagung dieser Bauernbündler flohen die schwäbischen Brüdergemeinschaften über Holland teils nach Amerika. Sie landeten in Pennsylvenien. Ihre Nachkommen sind dort, wie schon erwähnt, bekannt als die Pennsylvenia Dutch mit ihren noch heute sehr frommen Gemeinschaften. Ein anderer Teil setzte über nach England. Sie wurden in den Landschaften von Lankashire eingesetzt. Sie bildeten die Grundlage der Gemeinschaft der Freunde, genannt "Quäker". Die Ostfriesen setzten sich nach Osten bis tief nach Rußland hinein ab. Sie sind bekannt als die Mennoniten. Es ist die einzige Gemeinschaft, die das Gebot der Katharer, kein Tier zu töten und kein Fleisch zu essen, eingehalten haben. (...)

Es wurde in der Geschichte des römischen Reiches gezeigt, das auf dem Konzil zu Nicäa die Vertreter der jungen Christengemeinde versagt hatten und von den Vertretern der Tempelherren und den Vertretern der Juden überrumpelt worden waren. Aus der Lehre Jesu wurde die Christenlehre als Grundlage der christlichen katholischen Kirche. In der Zeit der Reformation, der Zeit des Kämpfers Lamech, haben Luther, Zwingli, Calvin, Thomas Münzer und wie sie alle heißen mögen, versagt, denn sie kannten die Grundlage der Lehre Jesu von der Naturnahrung entsprechend dem ersten und wichtigsten Gebot Gottes: "Siehe, ich habe euch gegeben alles grüne Kraut und alle Bäume mit Samen tragenden Früchten, es sei eure Speise", nicht. Sie wußten nicht, daß dieses Gebot die Grundlage der Lehre Jesu zur Gesunderhaltung und zum Verständnis des göttlichen Wirkens war. In den ersten jungen Christengemeinschaften führte diese Lehre zu den großen Gartensiedlungen, deren Erwähnung nirgends zu finden ist außer bei den Klostergründungen nach dem Konzil zu Nicäa. (...)

Morden: Es ist hier nicht von den kleinen Mordtaten die Rede, sondern es ist hier vom täglichen tausendfachen Morden der lebensfrohen Geschöpfe Gottes zur Fleischgewinnung die Rede. Durch die zur Erzeugung von Schlacht- und Milchtieren notwendigen Ackerbau und die Viehzucht wird die Fruchtbarkeit der Erde nach und nach zerstört, wie es durch die Versteppung und Verwüstung der Erde durch Menschenhand in Afrika, im Orient, in Indien und Südamerikas offensichtlich ist. Wie dann aus diesem Mord an der Natur die furchtbaren Kriegsereignisse mit ihrem Morden entstehen, das ist mehrfach schon erwähnt. Zaubereien (Giftmischen)? Hier ist die Rede davon, wie die Hausfrau täglich durch die Anwendung des Feuers auf dem Herd und im Backofen die tägliche Nahrung in Gift verwandelt. Sind dann als Folge der Feueranwendung in der Zubereitung der Speisen Krankheiten aller Art entstanden, geht man zum Medizinmann. Der soll dann die Fehler der Ernährung mit Mixturen aus der chemischen Giftküche mit Pillen, Spritzen usw. heilen. Das ist die tägliche Zauberei, von der hier die Rede ist. Unzucht entsteht doch nur durch die Nervenerregung, die durch die tägliche Einnahme von unheimlichen Mengen an tierischen Eiweiß entsteht. Diebstahl? Die Erde ist aus der göttlichen Schöpfung entstanden. Sie ist Gottes Eigentum. Wie kommen die Menschen dazu, durch Gesetz und Grundbuch die Erde an Einzelne zu verteilen und die übrigen von der Bodennutzung auszuschließen? Man hat dadurch dem Herrgott seine Erde gestohlen und glaubt nun, sie ungestraft verwüsten zu dürfen, um Fleisch zu erzeugen. In dieser Zeit hatte die Fleischschwelgerei mit Fressen und Saufen schlimme Formen angenommen, da ja die Erwerbslage besonders in den Städten und Ortschaften eine gute war (Fugger und Welser). (...)

So kam es zu den schmalkaldischen Kriegen, so kam die Gegenreformation unter Führung des neugegründeten Ordens der Jesuiten. Bis dann die kaiserliche Verwaltung unter dem Einfluß der Romkirche stehend, den Fenstersturz des kaiserlichen Gesandten in Prag zum Vorwand nahm, das protestantische Deutschland zu züchtigen und zum wahren Glauben zurückzuführen. So brach die Flut des dreißigjährigen Krieges über Deutschland herein. Die "noachische Flut" brach über den Wechselbalg des römischen Reiches deutscher Nation herein. Es ist nach dem Gesetz der Entwicklung der Kulturvölker die Zeit der Herrschaft Noahs und seiner Söhne, die das Lebendige im Volk am Leben erhalten sollen. Von Noah wird berichtet, daß er und seine Söhne eine hölzerne Arche baute, um die angedrohte Flut zu überstehen. Im untergehenden römischen Reich bauten die Priester und Mönche Kloster- und Kirchenburgen und verwahrten in diesen die Schriften und Wissenschaften der Antike, um diese am Leben zu erhalten.

Was aber bauten die Deutschen in dieser Zeit vor der Flut des dreißigjährigen Krieges? Es ist nichts Sichtbares vorhanden, was man als Feste gegen die Flut des Krieges bezeichnen könnte. Und doch hatte der deutsche Geist eine unsichtbare geistige Arche gebaut, die allen Stürmen Trotz bot. Es waren die Lieder, die schon mit den Lutherschen beginnend, die Gemeinschaft zu geistigen Höhen emporhob und sie zusammenhielt. Und wenn in den Kriegszeiten die Not am größten war, dann sang die Gemeinde "Ein feste Burg ist unser Gott" und die damals entstandenen Kirchenlieder, die man nur aus der Kriegsnot begreifen kann. Als die Not des Krieges und die Brandschatzung durch marodierende Soldaten überwunden war, kam das Volk wieder zur Besinnung und sang "Nun danket alle Gott".

Aber wie sah es nach dem Kriege aus? Die Bevölkerung war um fast zwei Drittel ermordet, die Felder und Wälder verwüstet, die Ortschaften gebrandschatzt, das Volk mitsamt den feudalen Herren und Fürsten verarmt, ganze Ortschaften von der Landschaft verschwunden. Aber während in allen vorhergehenden Weltreichen die tragenden Völkerschaften verschwanden und nicht wiedergefunden wurden, im deutschen Volke aber erwachte aus den in den Liedern erbauten geistigen Arche der wirkliche germanische Geist unserer Ahnen. Wer waren diese Ahnen, Germanen genannt ?

Hier die Deutung: Wir kennen das Wort aus dem Orient, das Schicksal bedeutend, es ist das Wort "Karma". Germa ist dasselbe Wort, nur durch Konsonannten-Verweichlichung wurde aus dem harten K das weiche "G". Germa, Schicksal, und daraus der Germane. Das "N" runisch gelesen ist das Zeichen der Notwende, d.h. der Germane kämpft mit dem Schicksal, um die Not zu wenden. Der Orientale ergibt sich seinem Schicksal.

Aus dem geschundenem Volk, das in seinen Liedern die Kriegsfluten überwunden hatte, wurden die großen Tondichter geboren: Bach, Buxtehude, Haydn bis hin zu den Höhen der klassischen Musikkunst. Aus den Disputen religiösen Inhalts erwuchs aus der Sturm- und Drangzeit das Volk der Denker und Dichter mit den wortgewaltigen Dichtern und Philosophen, deren Werke teils unsterblichen Ruhm erlangt haben. Und als das handwerkliche Können sich in die Industrielandschaft entwickelte, da erstanden der Welt aus dem schöpferischen Geist Germaniens die führenden Ingenieure und Physiker, die den Aufschwung der Industrie erst ermöglichten. Kein elektrischer Strom würde die Nacht erhellen, wenn Werner v. Siemens nicht die Umwandlung von Kraft in elektrische Energie in der Konstruktion der elektrischen Kraftmaschine erfunden hätte. Kein Auto würde fahren, wenn der deutsche Ingenieur Otto nicht den Explosionsmotor erbaut hätte. Kein Radio oder Fernsehbild würde erscheinen, wenn der Physiker Hertz nicht die wellenförmige Strahlung des elektrischen Funkens entdeckt hätte. Kein Mensch würde auf den Mond geschossen werden können, wenn nicht deutsche Techniker und Ingenieure in Penemünde den Raketenantrieb konstruiert und erfunden hätten. Und keine Atombombe wäre je zum Schrecken der Menschheit erbaut worden, wenn nicht der Physiker Hahn die Kernspaltung entdeckt hätte, sehr zum Leiden der Menschheit. Die Liste dieser grundlegenden Erfindungen und Entdeckungen deutschen Geistes kann beliebig verlängert werden.
So würde sich z.B. in Lankashire keine Baumwollspindel drehen, wenn die dort angesiedelten schwäbischen Brüdergemeinden aus ihrer Erfahrung bei der Verspinnung von Leinenfäden die Verspinnung der Baumwolle ermöglicht hätten. Doch ehe wir die Geschichte der Deutschen weiter verfolgen, müssen wir uns Klarheit schaffen über den Geist, von dem die Kirche beseelt war. Dieser Geist ist die Fortsetzung des Machtstrebens im römischen Reich, das keine Nebenbuhler duldete. (...)

Nachdem die Priester und Mönche im Verein mit dem Königtum die Menschen lange genug gequält und tyrannisiert hatten, brach das Tier im Menschen durch. Die angestaute Qual entlud sich in der französischen Revolution. Diese galt zuerst den Mönchen und den Priestern mitsamt der Kirche, dann erst kam es zum Aufstand gegen das Königtum. Priester und Mönche wurden erschlagen, Klöster und Kirchen geöffnet, geistig gesprochen wurde die Kirche getötet. Die Toten lagen dreieinhalb Jahre auf der Straße der großen Stadt, die da Sodom und Ägypten heißt: Paris. Nach dem Tode von Robespierre kam wieder Leben in die Kirche, aber ihre Kraft war gebrochen. Sie wurde fortan im Geist der Gläubigen in den Himmel gehoben. Zu der Zeit aber brach ein furchtbares Erdbeben über die Menschheit herein, d.h. eine Zeit fürchterlicher Kriege in Europa, denn nun begann die Herrschaft des großen Sohnes der Revolution: Napoleon. (...)

Nach der Flut des dreißigjährigen Krieges blieben sie (die Deutschen) bei der Gewohnheit des Fleischessens. Niemand war aufgestanden und hatte dem Volk gelehrt, wie man sich versündigt gegen das göttliche Gesetz und das Naturgebot der Erhaltung des Lebens durch lebensvolle Naturkost aus dem Garten ohne Kochtopf, Bratpfanne und Backofen. (...) Aber die Folgen dieser lebenswidrigen Ernährung müssen die Menschen tragen. Die Folgen sind das Heer der Krankheiten, die sich immer verschlimmern und immer bösere Formen annehmen. (...)

Nun müssen wir die Weltgeschichte noch einmal heranziehen. Mit dem Abschluß der Einigungskriege etwa 1870 begann ein neuer Abschnitt in der politischen Geschichte der Welt. (...) Das Malzeichen des Tieres ist das Geld. Das geprägte Geld hat auf der Rückseite immer das Zeichen irgend eines Tieres, meistens einen Adler. Alle begannen nun das Geld anzubeten und das böse Geschwür heißt Gewinnsucht, Raffsucht, Reichwerden. Aus diesem bösen Streben entwickelten sich die anderen sechs Plagen. Während dieser Zeit zeigten sich drei böse Geister im Sinn der Völker. Sie heißen Neid, Haß und Rachsucht. Der Aufstieg Deutschlands nach 1870 wurde für die übrigen Industriestaaten eine arge Konkurrenz, gegen die man sich wehren mußte. Keiner gönnte dem Deutschen einen Vorteil. Es versammelten sich die Völker der Erde zum Kampf gegen die deutsche Vormacht. Es kam zum großen Krieg, um Deutschland auszulöschen. (...)

Vier Jahre lang hat Deutschland einer waffenstarrenden Obermacht getrotzt. Dann streckte es die Waffen auf Grund der angekündigten Friedensverhandlungen nach dem Muster der 14 Punkte Wilsons. Es kam aber das Versailler Diktat. Es kam die Inflation mit dem Höhepunkt 1923. Das Volk verzweifelte. Der Aufbau begann, wenn auch unter großen Schwierigkeiten. Es kam der Börsenkrach in der Wallstreet im Herbst 1929. Damit begann die Arbeitslosigkeit. Die Not wurde immer größer.
In dieser Zeit erschien ein Mann mit Namen Adolf Hitler mit seinen Gefolgsleuten. Diese Leute hatten eine Sprache und eine Zunge, die lautete: "Ein Volk, ein Reich, ein Führer." So kam der Januar 1933. Hitler übernahm die Macht. Es wurde gebaut der Festplatz in Nürnberg, die vielen neuen Ministerien in Berlin, die vielen braunen Häuser in Stadt und Land, in denen die Partei regierte. (...) Gleichzeitig wurde eine neue Großindustrie aufgebaut. (...) So kam der Neid, der Haß und die Rache in den übrigen Völkern wieder auf (...) und der zweite Krieg. Da zerrann der Traum. Städte und Fabrikanlagen, Werften und Waffenfabriken waren zertrümmert. Das Volk arm und im tiefsten Elend. Da kam die Geldaufwertung. Dadurch kam wieder Leben in das Volk. Was bis dahin keinem Volk je geglückt war, einen Neuaufbau nach einer solchen Katastrophe, das schaffte der germanische Geist im deutschen Volk. Im Wirtschaftswunder baute es eine neue Heimat auf . nach landesüblichen Maßstäben, schöner und besser wie je zuvor.(...)

Zum Schluß noch kurz die weitere Entwicklung der Geschichte der Menschheit, wie sie sich in Kürze abspielen wird. Da steht zuerst vor unseren Augen das zur Zeit reichste Land auf Erden: Die Vereinigten Staaten von Amerika. Es ist das Land der größten Industriekonzerne, das Land der internationalen Ausbeutung der Rohstofflager der Erde und damit auch die Ausbeutung der Menschenkraft zur Erzielung immer größerer Einkünfte. Dieses Land und dieses Volk ist errichtet auf Blut und Tränen bei der Besitznahme des Landes durch die vordringenden weißen Siedler durch die Ermordung der Vorbewohner, Indianer genannt. Das Blut dieser gemordeten Indianer schreit zum Himmel und der Himmel hat es gehört. Wie ein Dieb in der Nacht wird das Unheil eines tobenden Bürgerkrieges die Vereinigten Staaten in Blut und Tränen zerbrechen, wie einst das Reich im dreißigjährigen Krieg zerbrochen wurde. Auch die Dreiteilung wird sich zeigen, nur das die Westküstenstaaten jenseits der Rocky Mountains völlig aus dem Staatengebilde getrennt werden. Während dieser Zeit wird ein Währungsverfall der Zahlungsmittel eintreten, das dem Reichtum der Welt an Geld und Gut ein Ende setzen und der Menschheit einen neuen Anfang geben wird ohne Geld und industrieller Versklavung der Menschheit. Wie das vor sich gehen wird, wissen wir nicht. Das Unheil kommt wie ein Dieb über Nacht, wenn das ganze so mühsam aufgebaute System der weltweiten Geldwirtschaft zusammenbrechen wird.

Und das waffenstarrende Rußland? Dieses Land hat von 1917 bis 1957 die Katastrophe der großen Flut überstanden und wird sich auflösen, diesmal nicht in drei Teile, sondern nach einem im Osten entfesselten Krieg in die einzelnen Sowjetrepubliken, aus denen sich die Kremlherrschaft zusammensetzt. Das aber geht nicht ohne furchtbares Kriegsgeschehen und die Welt wird in Brand stehen, als ob sie in einem feurigen Pfuhl verbrannt werden sollte.

Das deutsche Volk aber wird in diesem fürchterlichen Weltbrand ein Beispiel geben, wie die Menschheit ein Gesellschaftssystem aufbauen kann ohne Geldwirtschaft und ohne industrielle Versklavung großer Volksmassen in den Ballungsgebieten und den überdimensionalen Größstädten mit ihren Häuserschluchten und Stahlbetonbunkern von Wohnungen. Nach dieser letzten großen Katastrophe in der Gesellschaft der Menschheit wird der Friede Gottes auf der Grundlage der gartenmäßigen Eigenerzeugung der Nahrung Wirklichkeit werden.

 
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